Es war einmal ein Fernmündliches Gespräch mit der Betriebbereichleitung meiner Leihfirma... Herr Schulz, gehen Sie doch mal für max. 14 Tage zu einer Metallbau Schlosserei nach Erkner. Jooo sagte ich: Ich als Elektriker bei einer Schlosserei, mmh, ist fast so gut wie einen Schornsteinfeger als Koch einzusetzen.
Gesagt getan. Ich habe in zwischen schon den 5 Monat hinter mir und es ist noch kein Ende in Sicht. Es kamen viele Schlosser und auch andere Leiharbeiter, doch ich wurde immer wieder geordert bzw. bin schon gar nicht mehr gegangen.
Ich habe echt nicht viel vom Wissen vom Beruf eines Schlossers, doch es stellte sich sehr schnell raus, das ich verdammt genau Arbeiten kann. Ich weiß, Eigenlob stinkt, doch mal ganz im Ernst, ich habe keine Probleme damit in den Bereichen von Hundertstel sauber gefertigte Teile oder Anpassungen zu erstellen.
--Ich weiß ein z.B. Dreher, muß locker im Tausendstel Bereich Arbeiten...
Ich habe es drauf, alleine nur mit der Flex und einer Millimeterscheibe und an einem Werkstück, absolut präziese Teile oder Bereiche zu bearbeiten. Genauso wurde ich von Anfang an gelobt für meine exakten Bohrungen nach meiner Körnung. Alleine wenn ich Werkstücke ansehe erkenne ich sofort kleinste Ungenauigkeiten oder Abweichungen. Andere können sowas auch dachte ich immer, doch in den Monaten die ich bei dem Endleiher bin, sind viele gekommen und "wurden auch wieder gegangen". Es ist meist so das Schweißer Grobmotoriker sind und auch nicht mal Bohrungen exakt an Körnen können! Die meisten "Normalen" Schlosser konnten dafür einfach nicht alles Schweißen und wenn doch sah es aus wie hingerotzt oder die Rahmen haben sich durch das falsche Schweißen zu sehr verzogen.
Und gabs dann mal einen dabei, der vieles gut konnte, war er entweder wiederum zu langsam, Faul, Schlampig oder hatte Verletzungen und konnte nicht schwer heben. Dann kamen auch Säufer, einfoch doofe die nix kapierten und am schlimmste finde ich ja immer diese Maulhelden, die angeblich die besten sind.
Kurzum, ich hätte es nicht für möglich gehalten, das es soo schwer sein soll jemanden zu finden mit dem man zufrieden sein kann.
Ein Kollege, von bestimmt über 20 Menschen die so da waren, ist geblieben. Alle anderen konnte man echt vergessen. Und mit dem Kollegen verstehe ich mich auch noch super!
Ich will damit auch nur sagen, ich habe ein Handwerk entdeckt was mir sehr viel Spaß macht und in dem ich auch noch gut bin obwohl ich Arbeiten mit Eisen immer hasste. Ist schon verrückt wie sich das ganze nun wandelte bei mir.
Ich habe in den 5Monaten von Zäunen, Glasvordächern, Fahrstühlen, Fensterfronten, Treppen, Türen, Tore und vieles mehr nun schon alles mitgemacht. Es ist eine so schöne Arbeit, besser noch als Elektroinstallationen zu erstellen. Es ist sowas Handfestes! Ich wills mal als Männliches bezeichnen. Ja genau das passt ganz gut, es ist ein Männlicher Beruf!
Beispiel:
Ein LKW mit Kranvorrichtung kommt aufs Firmengelände und legt verschiedene Große und zudem immer schwere Teile aus Eisen ab. Die Abgeladenen Eisenteile sind nie gerade (gerichtet), man muß also auch noch dafür sorgen, das alles was man Verbaut auch wirklich seine soll Maße hat bzw. wie weit man es richten muß.
Man beginnt mit einen meist sehr hässlichem rohem und viel zu großem unförmigem Stück Stahl, Träger, Profile oder Platten und nach einer gewissen Zeit steht man plötzlich vor oder auf einer wunderschönen mit 17 Stufen, Verzinkten Stahl Treppe (Feuerschutz Fluchttreppe) und selbst geschweißten und polierten Handläufen aus Edelstahl, was man auch noch selber alles vor Ort zusammenbaut. Zum Ende an die aussen Fassade einer Schule befestigt und sich freut wenn die Bauabnahme ohne Probleme abgelaufen ist. Es ist ein tolles Gefühl...!
Ich bin weiterhin bei der Schlosserei, nun aber schon seit über 14 Tagen alleine als letzter Leiharbeiter. Ich habe soviel Vetrauen bekommen das ich den Firmenschlüßel bekommen habe und daher auch kommen und gehen könnte wann ich will. Den Chef sehe ich nur mal wenn er mir einen Plan bringt oder sagt was zu tun ist.
Übrigens Plan lesen... ist ja doch gewaltig anders als meine Pläne aus dem Elektrobereich. Da werden Maße in Winkelminuten, Grad-zahlen, Steigungen, Ab-kanntungen usw, bezeichnet, zudem geht alles nur in mm Angaben, was für mich auch vollkommen ungewohnt war. Ich habe am Anfang immer Maße wie 3 Meter 87,5 angesagt wenn ich Maße nehmen sollte. Aber bei den Schlossern heisst es dann es sind dreutausend achthundert fünfundsiebzig Millimeter. Naja gewöhnt man sich auch schnell um!
Kurz um gesagt habe ich eine Bestimmung gefunden für mich, die ich so in der Schulzeit nicht kennenlernte!!!
An euch Lehrern Deutscher Schulen: Wenn ich mich zurück erinnere, als jeder Schüler im Werkunterricht einen 90° Winkel, eine Feile, einen Bohrer und aus einem Stück Eisen den Auftrag bekommt in der Schule daraus einen echten Würfel Feilen zu sollen, dann muss ich sagen, das es nix mit dem zu tun hat was man in Wirklichkeit als Schlosser macht. Ihr habt mir also schon viel zu früh die Chance gestohlen die sich jetzt bietet. Denn damals dachte ich immer nur was für ein Scheiß, wie kann man nur Schlosser machen wollen. Eisen ist kalt, hart, rostig und verdammt schwer. Ist doch ein Blöder Beruf!
Doch mit den richtigem Werkzeug, oder auch Scharfen Feilen, Sägen, Bohrer (was ich in der Schule nicht hatte) und Maschinen kann man so tolle Sachen herstellen für die Ewigkeit.
Ich bin auch schon gefragt worden ob nicht anfangen möchte, doch jeden Tag vom Süden Berlins
bis nach Erkner Fahren muß ja auch nicht sein...
PS. Vorteile hatte der Firmeninhaber aber auch schon gut gehabt. Seit ich da bin laufen wieder zwei große Ständerbohrmaschinen, diverse Handmaschinen und auch der immer wiederauftrehtende Fehler bei Vollbelastung des Stromnetzes durch ein Monster von Schweißgerät was die da haben, ist behoben worden von mir. Es gab ja in dem Monaten immer mal die ein oder andere Stunde wo man nix zu tun hatte, da habe ich mich dann einfach der Elektrik angenommen und so meine Zeit rum bekommen und der Chef hat sich gefreut.
Samstag, 22. Januar 2011
Unterwegs im Namen " Tach ick bin Schloßer, um wat jehts denn"
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